Diesen Monat nimmt das Reisen etwas überhand, denn ich war in Valencia. Nicht aber weil mir langweilig war, sondern weil dort das wohl interessanteste und verrückteste Fest Spaniens stattfand: Las Fallas
Da die Fallas zu einem festen Datum stattfinden, (nämlich vom 15. - 19. März) blieb uns (das waren neben mir Corinna, Peter, Const und Bernd (ein Freund von Const)) nichts anderes übrig, als Montag und Dienstag blau zu machen. (OK, hat uns nicht wirklich gestört)
Unser genialer Plan: Wir hatten es nicht rechtzeitig geschafft, und um ein Hostal zu kümmern. Also mieten wir in Auto und schlafen am Strand. Da sparen wir uns auch noch die in Valencia zu den Fallas echt hohen Übernachtungskosten.
Sonntag, der 18. März 2007
So gings dann am 18. März um 9:00 Uhr los. Wir hatten einen Minifurgo bei PepeCars (150,- € für zwei Fahrer und Vollkasko) reserviert und wollten früh genug los, um vor den Fallas an den Strand zu kommen. Zum einen, um nach einem Schlafplatz zu suchen, zum anderen, um zu baden.
Und durch einen Tipp aus einem Reiseführer sind wir dann ca. 10km südlich von Valencia fündig geworden.
Das Meer war so einladend, dass wir (OK, Const, Peter & ich) gleich mal rein gesprungen sind. Ist schließlich auch schon ne Weile her, dass ich in Spanien das letzte Mal im Meer war.
Von Früh bis weit in die Nacht gab es Umzüge von festlich gekleideten Valencianos. Dabei handelt es sich um den Opfergang ofrena de flors zu Gunsten der Verge dels Desamparats (Jungfrau der Schutzlosen), die Valencias Stadtpatronin ist. In zwei Tagen bringen sie ihr fast 50 Tonnen Blumen.
Das schöne an den Fallas ist, dass sie bis vor 10 Jahren kaum für den Tourismus erschlossen waren. Sie haben noch viel von ihrem Charakter, mit den Nachbarn des Viertel zu essen und zu feiern. (Neben dem Falla bauen natürlich)
So trafen wir diese Nachbarn beim Paella machen - auf Holz - und mitten in der Straße.
Zu fragen, ob wir was ab haben könen, haben wir uns dann aber nicht getraut.
Gegen 01:00 Uhr drängten wir uns dann mit tausend anderen Menschen auf eine der Brücken Valencias, um ein Feuerwerk zu sehen. Es hatte zwar eine halbe Stunde Verspätung, konnte sich aber sehen lassen…
Und wärend die riesige Dreckwolke des Feuerwerks sich langsam verflüchtigte, kehrten auch wir zu unserem Auto zurück, fuhren zu "unserem" Strand und machten es uns dort gemütlich.
Montag, der 19. März 2007
Der nächste Tag begann zu schon etwas fortgeschrittener Stunde mit einem ordentlichen Frühstück. Wie man sehen kann war es ordentlich windig und auch nicht zu warm, das hinderte Peter aber wenig daran, Sommerstimmung zu verbreiten.
Paco und seine Brüder war dabei unser ständiger Begleiter…
So schön war es an unserem Strand
Danach mussten wir uns aber ganz schön beeilen, um noch rechtzeitig zur letzten Mascletà diesen Jahres zu kommen. Dabei zünden die Valencianos jedes Jahr vom 01. bis 19. März täglich um 14:00 Uhr ein Feuerwerk. Allerdings keines für die Augen - nur für die Ohren. (und den Bauch) Eigentlich kann man den Wahnsinn nicht beschreiben, man muss ihn (wie so oft) erleben.
Damit Du wenigstens einen kleinen Eindruck bekommen kannst, hab ich ein schönes Video bei YouTube rausgesucht:
Den Tag verbrachten wir ähnlich wie gestern, mitten unter Verrückten, die im 10-Sekunden-Takt Boller warfen. Eine kleine Abwechslung bot das Ansehen des Kampfes “Polizei vs. Top mantas“.
Um 23:00 Uhr gabs einen kleinen Vorgeschmack, denn die Falla infantil (Kinderfalla) wurde verbrannt.
Leider konnten wir nicht wirklich viel erkennen. Doch um 24:00 Uhr folgen die großen Fallas (außer die der Stadt Valencia vor dem Rathaus), so dass wir uns schnell eine Schöne in der Nähe suchten und warteten.
Zum Glück fiel der letzte Tag dieses Jahr auf einen Montag, so dass es nicht ganz so überfüllt wie gestern war.
Bald kam auch die Feuerwehr und bezog Stellung. Das wundert wenig, stehen doch die Fallas meist mitten auf der Straße zwischen Häusern. Lampen und Ampeln in der direkten Umgebung wurden wohl aus Erfahrung bereits abgeschraubt.
Es dauerte nicht mehr lang und die Nachbarn bereiteten die Falla vor. Sie schlugen Löcher in die Konstruktion und legten eine lange Zündschnur mit vielen Böllern um die Falla, das Ende führte in das Innere der Falla.
Und dann passiert das Unfassbare:
Begleitet von vielen Knalls geht die Falla in Rauch auf. Eigentlich gab es eine Art Schutzzaun um die Falla, damit das Publikum nicht zu nah an die Falla tritt, Doch in kürzester Zeit ist er obsolet, den die Falla entwickelt soviel Hitze, dass die Zuschauer (wir eingeschlossen) zurückwichen. Und das nicht langsam
Chronik einer Zerstörung:
Die Fallas werden zwar nicht gleichzeitig angezündet, doch trotzdem gleicht die Stadt im Nu dem alten Rom.
Um 01:00 Uhr brennt dann mit der Falla der Stadt Valencia auch die letzte. (abgesehen von der Siegerfeier) Leider herrschte auch hier wieder großer Andrang, ich hab überhaupt nur etwas gesehen, weil ich erst auf eine Laterne und später auf eine Ampel geklettert bin.
Zu beachten ist auch das Heer von Digitalkameras, das auf die Falla gerichtet ist.
Wenig später ist der Spuk vorbei und die Valencianos räumen das, was übrig geblieben ist auf. Ich bin mir sicher, dass sie in zwei Tagen bereits die Falla des nächsten Jahres planen.
Die Litfaßsäule im Hintergrund hat übrigens trotz der Feuerwehr ganz schön gelitten…
Wir fuhren zurück heim und feierten noch ein bisschen im Auto. Danach gings für Const, Peter und mich daran, am Strand aus Kartons eine kleine Mauer gegen den inzwischen aufgezogenen Wind aufzurichten.
Peter hab ich leider nicht mehr besser auf das Foto bekommen
Diesmal hab ich die Kamera mitgenommen und konnte zwei schöne Bilder vom Sonnenaufgang machen. (Dafür knirscht jetzt das Objektiv beim ein- und ausfahren)
Hier nochmal unser Schlafplatz bei Tageslicht.
Auch zu beachten: Const schlief auf Karton, denn seine Matte wurde am Vortag Opfer des Windes. Wird konnten ihr noch eine halbe Stunde beim davon treiben zusehen.
Ein letzter Blick auf unsere Stranddusche und die Sicht, die sich dem Wind bot, und schon gings wieder nach Hause. Ich erwartete Besuch und wollte rechtzeitig zurück sein.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Die spinnen, die Valencianos!
Und wenn Du kannst, dann schau Dir alles mit eigenen Augen an…
Der Beitrag wurde
am Dienstag, den 20. März 2007 um 16:04 Uhr veröffentlicht
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